Critic Konzert Kassel
Piano solo


Musikalisches Selbstgespräch
Der niederländische Jazz-Pianist Jasper van’t Hof solo im Tif


Von Andreas Gebhardt

KASSEL _ Das Solokonzert ist wahrscheinlich die größte Herausforderung für den Jazzer.
Die Kommunikationspartner fehlen, und die musikalische Unterhaltung findet ausschließlich im Selbstgespräch statt.
Der niederländische Pianist Jasper van`t Hof, einer der ganz Großen des europäischen Jazz, hatte vorgestern Abend im Tif eine anregende, höchst abwechslungsreiche Konversation mit sich selbst. Die Bandbreite seines Könnens ist enorm, voller Farbe und Wärme, mit überraschenden Ein- und Ausfällen, dabei höchst differenziert und nuanciert. Er weiß nicht nur sich, sondern auch das Publikum kurzweilig zu unterhalten. Van’t Hof beherrscht das leichte Parlando ebenso wie die Abschweifung vom Thema. Wenn er seine (vom Studio abgelehnte) Musik zu einer Graham-Greene-Verfilmung vorstellt, zeigt sich die Bildhaftigkeit seines Spiels: Der Streifen läuft einfach vor dem inneren Auge ab.
Bisweilen neigt er zur effektvollen Deklamation. Dann stampft er mit dem Fuß auf, die Lautstärke einer eingängigen, sich wiederholenden kurzen Melodie schwillt an und der Vortrag kippt deutlich ins Pathetische. Die Zuhörer  lauschten wie in einer mitreißenden Predigt.
Jasper van`t Hofs enervierende polyrhythmische Experimente haben hier einen Nachhall. In solchen Manövern  blitzten immer wieder die Verbindungen in van´t Hofs Form- und Traditionsbewusstsein zu einem ganz eigenen Sound auf.